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Auf einer der Karten im Karten-Set von Seelenkonferenz habe ich Dir eine Partner-Übung gezeigt, wie Du üben kannst, bewusst Grenzen zu setzen. Es ist eine Form der Selbstliebe auf sich und seine eigenen Bedürfnisse zu achten und auch einmal „Nein“ zu Menschen und Situationen zu sagen, die einem selbst nicht guttun.

Warum fällt es uns so schwer „Nein“ zu sagen?

Weil wir den stetigen Wunsch nach Anerkennung und Liebe haben. Es ist eins unserer Grundbedürfnisse, wie Maslow als auch der Ökonom Manfred Max-Neef in ihren Bedürfnismodellen aufzeigen. 

Das Bedürfnis geliebt zu werden, lässt uns daher davor zurückschrecken, Konflikte einzugehen und somit Gefahr zu laufen, Liebe und Zuneigung zu verlieren. Besonders wir Frauen haben über die Generationen hinweg oftmals gelernt, wenn wir lieb und brav sind und uns immer höflich und anständig verhalten, werden wir geliebt und das „brave Mädchen“ genannt. Eine Frau, die auch mal auf den Tisch haut dagegen, deutlich ihre Meinung sagt und scharfe Kommentare abgibt, wird dann gemeinhin als „zickig“ bezeichnet.

Ich habe hier bewusst ein sehr starkes „schwarz und weiß“- Denken gewählt. Nicht jeder verurteilt eine Frau, die klare Ansagen macht, direkt als zickig und nicht jede Frau wurde in dem Glauben erzogen, dass sie immer brav zu sein hat.

Aber der Wunsch in uns, einem anderen Menschen seine Bedürfnisse zu erfüllen und dafür Liebe und Anerkennung zu bekommen, ist sehr groß. Der Wunsch führt bei vielen Menschen dazu, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse hinten anstellen oder sogar nicht mehr wahrnehmen können. Dann ist etwas aus dem Gleichgewicht geraten.

Was spürst Du?

Stelle Dir doch einmal offen und ehrlich die Frage, warum Du von allen gemocht werden möchtest? Welche Gefühle kommen in Dir hoch? Nimm Dir einen Moment Zeit dafür, atme tief ein und lass die Frage wirken.

Und? Was kannst Du spüren?

Es könnte zum Beispiel die Angst vor dem Alleinsein in Dir hoch gekommen sein. Denn ein weiteres menschliches Bedürfnis ist Teilnahme und Zugehörigkeit. Hast Du Angst, dass Du Allein sein wirst, befindest Du Dich im Mangeldenken.

Es fehlt die Liebe zur Dir selbst.

Warum denkst Du, dass Du allein bist, wenn Du von anderen nicht mehr gemocht wirst? Du hast doch Dich?
Meine ehrliche Antwort wäre vor ein paar Monaten noch gewesen: „Das ist nicht genug. Ich mag mich selbst ja noch nicht mal richtig.“

Was würdest Du antworten?

Meine Antwort auf diese Frage hat sich mittlerweile geändert. Ich verbringe sehr gerne alleine mit mir Zeit. Und ich fordere diese Zeit auch bewusst ein.
Auch die Angst, dass man mich nicht mehr mag, wenn ich mich nicht ständig um die Bedürfnisse anderer kümmere und „lieb“ bin, hat sich verschoben. Ich habe gelernt, dass ich mich selbst sehr mag und ich, wie man in der Transaktionsanalyse sagt, „ok“ bin. Wendet sich ein Mensch von mir ab oder ist sauer auf mich, geht mir das immer noch sehr nah, da ich ein sehr sensibler Mensch bin, aber ich gebe mir nicht mehr die Schuld. Menschen handeln immer nach ihren eigenen Bedürfnissen: Ziehen sie sich verletzt zurück oder werden aggressiv und greifen Dich an, hat es etwas mit ihnen und ihren nicht erfüllten Bedürfnissen zu tun. Es sagt nicht aus, dass Du „nicht ok“ bist und ein grundsätzlich schlechter Mensch. Mache Dir das immer wieder bewusst!

Bewusstsein ist der erste Schritt

Sobald Du verstanden hast, wie Du Dich selbst siehst, hast Du bereits den ersten Schritt geschafft. Der zweite Schritt ist, Dir und Deinen negativen Gedanken zu verzeihen. Ich habe bewusst geschrieben, dass sich meine Angst „nicht gemocht zu werden“ verschoben hat, sie ist natürlich immer noch da. Denn durch Genetik, Erziehung und das Abschauen von Verhaltensweisen und Mustern ist in uns ein bestimmtes Weltbild heran gewachsen, welches nicht in kurzer Zeit verändert werden kann. Das benötigt Zeit und viel Mut und Willen, sich mit sich selbst auseinander zu setzen.

Der dritte Schritt ist, Dich einmal bewusst zu fragen, was Deine Bedürfnisse und Wünsche im Leben sind? Wie würdest Du gerne behandelt werden? Was sind Deine Werte? Was erhoffst Du Dir im Umgang mit Deinen Mitmenschen?

Hast Du dies heraus gefunden, kannst Du den vierten Schritt gehen: Teste Dich aus! Probiere vorsichtig, wie es sich anfühlt, wenn Du „Nein“ sagst. Was macht es mit Dir und Deiner Angst? Welche Gefühle kommen hoch? Vor allem wo in Deinem Körper sitzen diese Emotionen? Wie reagieren andere auf Dein neues Verhalten?

Ist Veränderung ein Kreislauf oder sind es Phasen?

Und dann kommen wir wieder zurück zu Schritt 1: Sei Dir Deiner Gefühle, Ängste und Gedanken bewusst. Verzeihe Dir, dass Du noch nicht dort bist, wo Du gerne sein möchtest und probiere weiter. Man kann also sagen, Du befindest Dich in einem Kreislauf von trail and error.

Veränderung kann aber auch in Phasen abgebildet werden, wie ich Dir gerne in meinem Blogartikel „Die sechs Phasen der Veränderung“ erzählen möchte.

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